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1. Juni 2016

Wie Effectuation das klassische Ideenmanagement ablöst

Ideen braucht man immer, wenn man nicht mehr weiter weiß. Dennoch verwenden viele Unternehmen Management-Methoden, die prima in einem Umfeld funktionieren, wo man mit einem bestimmten Ausgang rechnet. Effectuation bietet eine praktische Alternative für unvorhersehbare Situationen und verdient darum für den Bereich Ideen nähere Betrachtung.

Ideen entstehen im Kontext der Ungewissheit

Ideen entstehen zufällig, ausgelöst durch die Umstände oder ein Problem. Sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einem Unternehmen gebeten, sich am betrieblichen Vorschlagswesen, Kaizen oder KVP-Prozess zu beteiligen, sind ihre Ideen nicht vorhersehbar.

Ideen sind nicht vorhersehbarDenn, niemand kann vorhersehen welche Ideen entstehen, welche Voraussetzungen für die Umsetzung erfüllt sein müssen und welche Folgen diese Ideen haben.

Das ist die Natur von Ideen.

Allerdings entsteht dann in vielen Unternehmungen ein Bruch. Die Idee selbst entsteht noch nach Methoden der Ungewissheit. In der weiteren Verarbeitung setzen viele Unternehmen Werkzeuge ein, die für Situationen in Gewissheit optimiert sind.

Beispiele hierfür sind standardisierte Prozesse, nach denen Ideen kategorisiert, beurteilt, prämiert oder umgesetzt werden. Kreativität entsteht jedoch dort, wo es ungeordneter ist. Je spezifischer die Erwartungen an Problemlösungen sind, umso weniger originelle Ideen werden entstehen. Lässt man um die Ideenfindung alles weg, was auf Erwartungen und Vorausschau basiert, entsteht Raum für wertvolle Ideen.

Effectuation wird dieser Anforderung gerecht.

Die Effectuation Prinzipien

Effectuation ist das Ergebnis einer globalen Entrepreneurship-Forschung, ausgehend von der indisch-amerikanischen Kognotionsforscherin Saras Sarasvathy. Aus ihrer Arbeit hervorgegangen sind die folgenden Prinzipien:

Das Prinzip der Mittelorientierung

Ein Effectuator startet immer mit der Bestandsaufnahme:

  • Wer bin ich?
  • Was kann ich?
  • Was habe ich?
  • Wen kenne ich?
  • Was weiß ich?

Anstatt ein bestimmtes Ziel zu definieren und dann zu evaluieren, welche Mittel noch fehlen und ergänzt werden müssen, geht ein Effectuator andersherum vor:

Welche Mittel stehen mir zur Verfügung?Was kann er mit den bereits vorhandenen Mitteln erreichen?

Im Rahmen interner Ideenfindung findet dieses Prinzip bereits in vielen Unternehmen Anwendung:

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einem Unternehmen nutzen ihre vorhandenen Mittel, um neue Ideen zu kreieren. Sie verwenden ihren Verstand und ihr Gefühl, ihr Wissen und ihre Erfahrungen, um neue Ideen zu erzeugen.

In vielen Unternehmen gibt es aber hier noch Verbesserungspotential. Sie orientieren sich sehr stark auf festgelegte Ziele und ignorieren das bereits vorhandene Potential.

Folgende Fragen helfen bei der Entscheidung für gefundene Ideen:

  • Haben wir schon alles, was man für die Umsetzung einer Idee braucht?
  • Welche Werkzeuge oder Maschinen stehen zur Umsetzung zur Verfügung?
  • Welche Expertise können Mitarbeiter zur Umsetzung von Ideen beisteuern?
  • Orientiert sich eine Idee an unseren eigenen Werten?

Das Prinzip des leistbaren Verlusts

Ein Effectuator entscheidet vorher, an welcher Stelle er sein Vorhaben abbricht oder sich für einen neuen Weg entscheidet, indem er selbst eine Grenze festlegt.

  • Wieviel Zeit kann ich für ein Vorhaben opfern?
  • Wieviel Geld bin ich bereit zu verlieren?
  • Welche meiner Ideen opfere ich?
  • Wieviel meiner Energie möchte ich für das Vorhaben opfern?

Auch dieses Prinzip findet in der Ideenfindung bereits seine Anwendung. Es werden z.B. Sitzungen mit bestimmten Mitarbeitern in einer begrenzten Zeit durchgeführt. Im kontinuierlichen Verbesserungsprozess verwenden Mitarbeiter (theoretisch) einen zuvor bestimmten Teil ihrer Zeit und ihrer Energie beim Finden von Ideen.

Aber auch im späteren Verlauf ist der Einsatz dieses Prinzips für Unternehmungen sinnvoll. Wer an eine Idee glaubt und sie für das Unternehmen nützlich findet, entscheidet welche seiner Mittel er beisteuert:

  • Ein CFO könnte beispielsweise Geld zur Verfügung stellen.
  • Mitarbeiter könnten einen Teil ihrer Arbeits- oder Freizeit für die Realisation einer Idee investieren.

Durch die Deklaration der eingesetzten Mittel als leistbarer Verlust, sind Ideenvorhaben deutlich weniger riskant. Da der leistbare Verlust für alle sehr begrenzt ist, schafft dieses Vorgehen auch einen Fokus auf die richtig guten Vorhaben.

Das Prinzip der Vereinbarungen und Partnerschaften

Effectuators suchen sich Menschen, die sie mögen und denen sie vertrauen. Sie klären im Vorfeld nicht, welche spezifischen Rollen in ihrem Team besetzt werden müssen. Lieber passen Effectuators ihre Ziele an, damit neue Partner sich am Vorhaben beteiligen können. Dadurch werden Resultate möglich, die beide sich vorher nicht hätten ausdenken können.

Ideen entstehen durch Partnerschaft und Interaktion

In vielen Unternehmen werden Mechanismen eingesetzt, die die kreative Zusammenarbeit der Mitarbeitern erschweren. Beispielsweise fördern Prämien für Mitarbeiter Einzelkämpfertum, anstatt Zusammenarbeit und Partnerschaften im Rahmen von Ideenausarbeitung zu fördern.

In Unternehmen, die Effectuation anwenden, fördern dass sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusammentun um Ideen mit ihren Mitteln in die Tat umzusetzen. Wie auf einem Marktplatz können sie entscheiden, welche Ideen sinnvoll sind und welchen Beitrag sie leisten möchten. Auf diese Weise bilden sich individuelle Teams von Enthusiasten um einzelne Ideen.

Dabei treten außerdem außergewöhnliche Fähigkeiten der Mitarbeiter zutage, die sie sonst nicht einzusetzen brauchen. Ein nicht zu unterschätzender, positiver Einfluss auf die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Und das Unternehmen lernt, welche Mittel sonst noch zur Verfügung stehen. Stichwort: Vorher wusste keiner, dass Herr Müller das kann.

Das Prinzip der Umstände und Zufälle

Da Effecutators nicht viel ins Festlegen von Zielen und Plänen investieren, sind sie offen für Zufälle und nutzen Umstände für sich aus. Umstände sind für sie keine Störung, die sie vom Weg abbringen. Sie ändern ihre Richtung und finden anhand der verfügbaren Mittel und Mitstreiter einen neuen Weg, der die Umstände berücksichtigt.

Plan vs. Gelegenheiten, Ideen und Zufälle

Solche Zufälle werden immer häufiger auch als Serendipity bezeichnet. Man denke an die berühmten Innovationen, die nur auf diese Weise entstehen konnten:

Penicillin, Post-It, Teflon oder der Klettverschluss.

Wäre man bei 3M in den 60er und 70er Jahren durch einen standardisierten Ideenprozess gegangen, dann wäre der schwache Klebstoff bestimmt aussortiert worden und in irgendeinem Archiv für immer verschwunden. Post-Its hätte es dann nie gegeben!

Vielleicht wären die Klebezettel irgendwann von einem anderen Unternehmen entwickelt und vermarktet worden. Bei 3M hätte niemand geahnt, dass sie ganz nah an einem großen Erfolg dran waren.

Es ist also hilfreich, die Chance für Zufälle zu erhöhen, wenn man die Geschichte sowieso nicht vorhersagen kann.

Soll ich nun überall und immer die Prinzipien von Effectuation in der Ideenfindung und Umsetzung durchführen?

Es ist so, wie mit fast allen guten Dingen. Man kann auch zu viel davon bekommen. Effectuation ist eine Unterstützung, wenn unter Ungewissheit gehandelt werden muss. Je mehr Sicherheit und Gewissheit herrschen, desto mehr verliert Effectuation an Bedeutung und wird durch Management und Strategie ersetzt.

Auch im Rahmen des Ideen- und Innovationsmanagements im eigenen Unternehmen ist es sinnvoll, eine gute Mischung für sich zu finden. Unserer Meinung nach ist hier jedoch der Anteil der planerischen Methoden in den meisten Unternehmen zu hoch, um damit zuverlässig neue Innovationen zu erzeugen.

Wie Serenize beim Effektuieren hilft

Schon bevor wir uns intensiv mit der Effectuation-Forschung auseinandergesetzt haben, war für uns klar, dass sich die erfolgreiche Findung und Umsetzung von Ideen nach den oben genannten Prinzipien richten soll. Darum finden sie an vielen Stellen in der Serenize-Software Anwendung.

Effectuation Prozess mit Serenize-Unterstützung

Da Ideen nicht in Form von geheimen Botschaften an einen Ideenmanagement weitergereicht werden, sondern von allen ersichtlich sind, werden Geschichten wie die der berühmten Post-Its möglich. Mitarbeiter aus anderen Bereichen können zu Ideen Ergänzungen, inspirierte Ideen und weitere Verwendungsmöglichkeiten hinzufügen.

Die Ideensammlung mit Serenize wirkt wie ein interner Marktplatz. Mitarbeiter mit Expertise, Interesse und Mitteln können sich an Ideen-Projekten beteiligen und so entscheiden, welche Vorhaben realisiert werden sollen.

Eine Idee ist niemals das endgültige Ziel in unserer Software. Sie ist ein neues Mittel, welches dabei hilft, noch viel weiter zu kommen als am Anfang denkbar wäre.

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