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1. April 2016

Wie man die wirklich besten Ideen von den Mitarbeitern bekommt

Wahrscheinlich schreibe ich hier dem einen oder anderen Mitarbeiter im Unternehmen aus dem Herzen. Vielleicht regen sich auch manche auf. Ganz bestimmt werden welche sagen, dass ich nicht alles in Betracht gezogen habe, um zu versprechen, was die Überschrift da hergibt.

Aber ich möchte meine Gedanken aufschreiben, die ich habe, wenn es darum geht, wie man die besten Ideen in Unternehmen bekommt.

Was ist die beste Idee?

Ideen hat man schnell. Mal unter der Dusche, mal am Schreibtisch, manche beim Sport machen. Bestimmt kann man auch in Brainstorming-Sitzungen Ideen sammeln. Aber wann ist eine Idee wirklich sehr gut? Woran erkennt man sie? Wie finde ich das in einem Unternehmen heraus?

Das wichtigste Kriterium ist das Problem

Eine Idee muss immer die Lösung oder eine Teillösung für ein Problem bieten. Dabei ist ganz egal, ob das Problem schonmal ausgesprochen wurde oder nicht. Denn manche Probleme sind zwar bekannt, aber es wird über sie geschwiegen.

Die Idee muss passen

Was nützt die Idee „Eine Rakete bauen“, wenn man sich mit mikroskopischen Dingen beschäftigt? Was nützen Ideen, die Budget und Zeit sprengen? Was bringt es, eine neue Waffe zu erfinden, wenn man sich für den Frieden ohne Gewalt einsetzt?

Eine Idee muss das Unternehmen unterstützen, in die Richtung zu gehen, wohin das Unternehmen will. Die Idee muss die Vision des Unternehmens tragen.

Verbundenheit unter Mitarbeitern sorgt für gute neue IdeenEs müssen sich Umsetzer finden

Eine Idee ist immer etwas Neues. Niemand weiß, wie es mit der Idee ausgeht. Klappt auch alles? Ist sie wirklich umsetzbar? Eine Idee braucht also häufig viel Überzeugungskraft und Willensstärke um sie auch umzusetzen.

Ideen sind auch immer so etwas wie Versuche. Das Risiko zu scheitern ist hoch. Dazu braucht man die richtigen Leute, die bereit sind, für eine Idee dieses Risiko einzugehen.

Oft brechen Ideen auch mit alten Strukturen. Nur wer das wirklich will, der hat die Überzeugungs- und Durchsetzungskraft, an der viele Ideen-Projekte sonst scheitern.

Jemand muss die Idee finden

Damit habe ich schon drei wichtige Voraussetzungen genannt. Aber, es braucht noch den Ideengeber. Einer muss die Idee haben. Ohne ihn gibt es keine Idee!

Viele Unternehmen glauben, dass sie ihre Mitarbeiter zu Ideengebern machen können, indem sie ihnen diese Aufgabe schmackhaft machen. Da jedoch gerade die guten Ideen innerhalb des Unternehmens oft viel Widerstand erzeugen, braucht jede Idee einen passionierten Erfinder. Einer, der bereit ist, gegen den Widerstand zu kämpfen und für seine Idee geradesteht.

Sind alle oben genannten Voraussetzungen erfüllt, handelt sich sich wahrscheinlich um eine gute Idee.

Wie kriegt man gute Ideen?

Man könnte nun folgern: Nur noch die Kriterien zusammenbringen und wir bekommen gute Ideen. Ein Problem finden wir schon. Die Vision hängt am Eingang, damit jeder weiß, wo es lang geht! Ein paar Leute in ein Meeting stecken, da wird einer eine Idee haben, die andere auch gut finden!

Ideengeber, Umsetzer, Probleme und die Kompatibilität der Idee sind Kriterien für eine gute Idee. Sie sind Indikatoren. Man kann erst hinterher feststellen, ob sie vorhanden sind. Das kann man nicht stark genug betonen!

Die Erfüllung der Kriterien künstlich zu erzeugen, macht das Unternehmen blind. Es kann dann nicht unterscheiden, ob eine Idee gut oder schlecht ist.

Kurz gesagt:
Eine Idee, die keine Umsetzer findet, ist keine gute Idee. Eine Idee, die kein Problem löst, ist keine gute Idee. Eine Idee, die nicht zum Unternehmen passt, sollte vermieden werden. Ein Umfeld, wo Ideengeber motiviert werden müssen, findet leichter schlechte Ideen als richtig Gute.

Der Ideengeber

Damit man eine gute Idee bekommt, braucht man Menschen, die sich engagieren und Ideen entwickeln. Dazu ist eine Umgebung nötig, die das zulässt und benötigt. Eine Umgebung, mit einen echten Bedarf für Ideen und der Erlaubnis, wirklich an etwas Neuem zu arbeiten.

Das Management des Unternehmens könnte versuchen Ideengeber zu „erzeugen“, indem man persönliche Anreize schafft, die Menschen dazu motivieren. Damit ist aber schon das erste Kriterium für eine gute Ideen nicht erfüllt: Ein Ideengeber, der sich für den Anreiz und nicht für die Lösung eines Problems des Unternehmens engagiert.

Entweder die Umgebung lässt Ideengeber zu oder eben nicht. Der Versuch das direkt zu beeinflussen, führt nicht zum Ziel.

Das Problem

Das Problem ist wichtig, damit Menschen die Notwendigkeit für neue Ideen spüren und an Ihnen arbeiten. Ein offener Austausch über die Probleme in der Firma ist wichtig. Nur neue Probleme, für die es bisher keine Lösung gibt, schaffen den Bedarf für Ideen. Ideen, die kein Problem behandeln sind vielleicht schön, aber aus Sicht des Unternehmens viel zu riskant und kostspielig.

Die Vision

Es sollte klar sein, wohin das Unternehmen geht. Ein Ideengeber muss wissen, in welche Richtung es gehen soll. Unpassende Ideen sind ein Zeichen, dass etwas an der Richtung des Unternehmens nicht stimmt. Besteht über die Vision Klarheit im Unternehmen?

Es hilft auch Suchfelder zu definieren. Wo suchen wir eigentlich, wenn wir nach einer Lösung fragen? Ein neues Produkt? Eine Verbesserung?

Wohin gehen Ihre Mitarbeiter?Die Umsetzer

Es ist wichtig, dass sich die richtigen Leute zu einer Idee finden. Finden sie sich nicht, ist die Idee wahrscheinlich nicht umsetzbar und damit nicht passend zur Firma. Oder die Idee ist einfach nicht gut genug. Sie ist nicht überzeugend genug, damit Mitarbeiter ihre Zeit und Energie in die Umsetzung investieren wollen. Schließlich haben Mitarbeiter ja noch ihre alltägliche Arbeit zu erledigen.

Jemanden zu verpflichten, eine Ideen in die Tat umzusetzen, würde nur verbergen, dass die Idee niemanden anzieht. Es gibt dann wahrscheinlich Wichtigeres.

Fazit

Zeit und Geld sind kostbar. Und dem Markt ist egal, womit sich das Unternehmen intern beschäftigt. Darum sollte sich ein Unternehmen nicht lange mit schlechten Ideen aufhalten. Eine Umgebung mit genügend Freiraum, wo Menschen ehrlich mit ihren Füßen abstimmen können, wird zügig die besten Ideen hervorbringen und umsetzen.

2 Comments on “Wie man die wirklich besten Ideen von den Mitarbeitern bekommt

Birgit
3. April 2016 at 12:14

Mit dem Thema beschäftige ich mich derzeit auch, deswegen mal einfach ein paar Gedanken ins Blaue „smile“-Emoticon

„Dabei ist ganz egal, ob das Problem schonmal ausgesprochen wurde oder nicht. Denn manche Probleme sind zwar bekannt, aber es wird über sie geschwiegen.“

Dem widerspreche ich mal in Teilen: Es entstehen vielleicht Ideen zu Problemen, die nicht bekannt bzw. ausgesprochen werden. Aber die BESTE Idee wird das dann definitiv nicht.

„Was nützt die Idee „Eine Rakete bauen“, wenn man sich mit mikroskopischen Dingen beschäftigt? “

Ist nicht das Ziel, aber kann bei der Ideenfindung/-entwicklung ein Zwischenschritt sein, Stichwort Osborne-Liste „wink“-Emoticon.

„Ideen sind auch immer so etwas wie Versuche. Das Risiko zu scheitern ist hoch. Dazu braucht man die richtigen Leute, die bereit sind, für eine Idee dieses Risiko einzugehen.“

Das kann man vielleicht nicht absolut auf der persönlichen Ebene steuern, aber eben durch das Umfeld, bei dem Menschen, die sich etwas Neues trauen und damit scheitern, für das Wagnis wertgeschätzt und nicht für das Scheitern verachtet werden.

„Damit ist aber schon das erste Kriterium für eine gute Ideen nicht erfüllt: Ein Ideengeber, der sich für den Anreiz und nicht für die Lösung eines Problems des Unternehmens engagiert.“

Sind damit externe Anreize à la „Bonus pro Idee“ gemeint? Das wird wahrscheinlich weniger hinhauen. Neben der Begeisterung für das Unternehmen und dessen Probleme sollte man aber auch den wirklich persönlichen Anreiz nicht vergessen: Selbstwirksamkeit. Wenn Menschen sich kreativ ausleben dürfen und ihre Idee oder Teile der Idee in der Umsetzung erleben, ist das ein zutiefst befriedigendes Gefühl. Steht und fällt aber wieder mit der Umgebung, die wertschätzend dem Ausprobieren gegenübersteht.

Und ich spiel mal ein bisschen den Wortklauber: Die Eingangsfrage dreht sich um die „beste Idee“, im Text geht es aber zunehmend um „gute Ideen“ „wink“-Emoticon

Drängt sich die Frage auf: wie genau definiert bzw. differenziert man die „beste“ Idee von der „guten“ ? Kriterien / Indikatoren für die „gute“ wurden ja genannt. Kann sich eine gute Idee, die im Lauf der Umsetzung modifiziert und angepasst wird, letztlich als die „beste“ herausstellen? Genauso wie umgekehrt ?

Und natürlich kann ich mir als CISler den nicht verkneifen:

„Aber, es braucht noch den Ideengeber. Einer muss die Idee haben. Ohne ihn gibt es keine Idee!“

Ist mir viel zu singulär. Was ist mit der Crowd-Innovation?? 🙂

Antworten
Stefan Verhey
3. April 2016 at 12:38

Hey Birgit,

vielen Dank für Deinen umfangreichen Kommentar. 🙂

Ich gebe Dir recht. Es ist immer besser, wenn ein Problem bekannt und besprochen wurde. Worauf ich eigentlich nur hinaus wollte ist, dass eine Idee zu einem Problem passen muss. Es gibt auch vermeintliche Ideen, die gar kein Problem lösen. An dieser Stelle mache ich die Unterscheidung.

Zum Thema Raketen-Idee: In dem Artikel geht es um gute/beste Ideen im Sinne von Umsetzbarkeit. Was alles auf dem Weg durch die Köpfe der Denker schießt und was sie sagen und notieren, darum geht es hier gar nicht. Wenn es hilft, in Gedanken mit einer Rakete durchs All zu fliegen um dann auf eine Idee zu kommen, die zu meinem Mikroskop-Unternehmen passen, dann ist diese Idee sicherlich wichtig.

Zum Thema Anreize für Ideengeber: da sind in der Tat Boni für Ideen gemeint. Eine Firma, die darauf angewiesen ist, kommt nicht zu den besten Ideen. Es sind andere Faktoren, die eine Rolle spielen.
In dem Artikel gehe ich gar nicht so genau darauf ein, welche Faktoren das alles sein können. Vielmehr geht es darum, welche Faktoren kontraproduktiv sind bzw. keinen nennenswerten Beitrag leisten.

Zur Unterscheidung gute Idee/beste Idee: Da wird es etwas philosophisch. Die beste Idee ist eine, die sich gegen andere Ideen durchsetzt. Eine Idee, die umgesetzt werden kann und wirksam ist und von allen getragen zur Umsetzung gebracht wird und Erfolg mitführt.
Was ist dagegen eine gute Idee? Eine Idee, die dazu führt, dass beste Ideen entstehen?

Es ist ja schon oben beim Beispiel mit der Rakete gekommen. Natürlich ist eine Umgebung sinnvoll, in der Ideen modifiziert werden können. Wo niemand so sehr an seiner Idee hängt, dass er nicht eine Verbesserung zulässt. Oder einer besseren Idee den Vortritt lässt.

Und zum letzten Punkt: der gefällt mir am Besten. Es geht in dem Beitrag nicht darum, dass es einen einzelnen gibt, der eine Idee hat. Eine Idee ist immer das Ergebnis von vorangegangener Kommunikation. Eine gute Idee entsteht in Unternehmen selten in Silos. Darum ist eine Idee auch immer das Ergebnis von vielen Beteiligten. Ein Grund übrigens, wieso die Belohnung eines Einzelnen gar nicht richtig fair sein kann.
Jedenfalls geht es in meinem Artikel darum, dass man Menschen braucht, die diese Ideen finden und aussprechen. Wie sie dazu kommen, spielt hier erstmal keine Rolle. Ob sich sich dazu zusammentun oder einer sie alleine den Einfall unter der Dusche hat.
Die Aussage ist: man kann diese Menschen nicht dazu verbiegen, damit sie das tun. Sie müssen es von sich aus tun. Und wo Menschen das von sich aus tun, entstehen die besten Ideen.

Stefan

Antworten

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