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23. Juli 2015

Ist kontinuierliche Verbesserung endlich?

Auf dem Blog der HOOD GmbH ruft Matthias Mohme zur Blogparade auf. Das Thema: Ist KVP eine Lüge?
Mit diesem Beitrag beteiligen wir uns am Diskurs.


In seinem Beitrag beschreibt Matthias Mohme das Zusammentreffen mit dem ehemaligen Unternehmensberater Karl, der aus der Wachstumsgesellschaft ausgebrochen ist. Dieser stellt die folgende These auf:

„KVP beruht auf der Annahme, dass Wachstum der einzig relevante Faktor eines Unternehmens zur Steigerung seiner Wirtschaftlichkeit ist. KVP ist endlich und somit zum Scheitern verurteilt.“  Ist kontinuierliche Verbesserung endlich?

Definition

Zunächst möchte ich klären, wovon die Rede ist, wenn wir von Verbesserungen und kontinierlicher Verbesserung sprechen:

Was ist eine Verbesserung?

In der Wikipedia findet man derzeit vier Aspekte, was man unter Verbesserung versteht. Für den betrieblichen oder organisatorischen Kontext finde ich nur diesen Punkt zutreffend:
Unter Verbesserung versteht man eine Erhöhrung der Qualität.

Was ist Qualität?

Hierzu verrät Wikipedia:
Qualität ist die Bezeichnung einer wahrnehmbaren Zustandsform von Systemen und ihrer Merkmale, welche in einem bestimmten Zeitraum anhand bestimmter Eigenschaften des Systems in diesem Zustand definiert wird. Qualität könnte sowohl einProdukt wie Wein und dessen chemische Bestandteile und den daraus resultierenden subjektiv bewertbaren Geschmack beschreiben, als auch die Prozesse der Reifung der Traube, derProduktion und des Vertriebs des Weines, oder den Prozess des Managements der Winzerei.

Qualität beinhaltet also nicht nur das fertige Produkt, sondern auch den Vorgang, wie es entsteht und vertrieben wird.

Was ist ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess?

Schlussfolgernd ist KVP eine Denkweise, durchgehend für eine Erhöhung der Qualität im Unternehmen zu sorgen. KVP basiert darauf, dass sämtliches Handeln einer Organisation von ebendieser selbst infrage gestellt und überprüft wird. Dadurch entstehen immer wieder kleinere Anpassungen und Verbesserungen.

Die Kernfrage: Sind kontinuierliche Verbesserungen eine Illusion?

Verbesserung ist nach obiger Definition nicht zwingend mit endlichen Ressourcen verbunden. Durch Verbesserung werden somit per se keine endlichen Rohstoffe verbraucht.
Verbesserung ist also physisch nicht begrenzt.

Verbesserung ist nur dann abgeschlossen, wenn die Qualität ein Maximum erreicht hat.

In diesem Fall hört die kontinuierliche Verbesserung in einer Organisation auf, da es nichts mehr zu verbessern gibt. Jedoch ist fragwürdig, ob dieser Zustand wirklich erreicht werden kann.

Wachstum?

In der These des Unternehmensberaters Karl, beruht KVP auf Wachstum.

Jedoch sind Verbesserungen lediglich Veränderungen, die vielleicht zu mehr Wachstum oder Erfolg führen.

Verbesserungen sind mit Reparaturen vergleichbar. Wo etwas nicht ganz optimal läuft, kann man mit Korrekturen eine Verbesserung oder Heilung herbeiführen. Eine Reparatur erzeugt aber nicht Wachstum und ist hat nicht zwingend Wachstum als Ziel.

Die resultierenden Verbesserungen sind von der individuellen Zieldefinition und der Werte der Organsiation abhängig, die KVP einsetzt. Ziel des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses könnte zum Beispiel sein, sozial-verträgliche und ökologisch sinnvolle Prozesse zu implementieren und Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen zu fertigen. Auch andere und weitergehende Verbesserungen sind denkbar.

Natürlich kann man KVP auch einsetzen, um endliche Rohstoffe noch schneller abzubauen oder für schnelleres Wachstum. Aus Sicht eines Unternehmens im Rohstoffabbau, handelt es sich tatsächlich um eine Verbesserung.

Nachhaltigkeit

Betrachtet man Verbesserung vorallem in Hinblick auf Nachhaltigkeit, so wird deutlich, dass sich ein großer Raum für Verbesserungen ergibt:

  • Neue Ideen zur Umweltverträglichkeit von Produkten und ihren Bestandteilen
  • Können die Bestandteile eines Produktes durch nachwachsende Rohstoffe ersetzt werden?
  • Passt unser Produkt oder unsere Dienstleistung zu den aktuellen Anforderungen des Marktes?
  • Gehen wir mit unseren Mitarbeitern optimal um?
  • Wie reagieren wir auf äußere Einflüsse und Veränderungen?
  • Beachten wir die Endlichkeit bestimmter Rohstoffe und Ressourcen?
  • Wo können wir Energie sparen? Wie lassen sich nachhaltige Energieträger nutzen?
  • Wie können wir das Bewusstsein für unsere Natur und Umwelt bei uns, unseren Kunden und Lieferanten schärfen?
  • Kennen wir schon ausreichend viele Alternativen? Wo sollten wir forschen?
  • Welches Potential können wir sinnvoll nutzen?

Da Verbesserungen für sämtliche Bereiche in einer Organisation durchgeführt werden können, gibt es eigentlich immer etwas zu verbessern.

Gerade weil wir in einer Welt mit endlichen Rohstoffen und Ressourcen leben, kann kontinuierliche Verbesserung dabei helfen uns von unserem bisherigen Handeln zu verabschieden und bessere Lösungen zu finden.

Kleine Schritte

Der KVP-Prozess (Plan, Do, Check, Act)

Kontinuierliche Verbesserung funktioniert nur, wenn sie in kleinen Schritten durchgeführt wird. Zu viel auf einmal klappt bei KVP nicht. Weil die Umstellung von Prozessen oder Produkten von vielen anderen Einflüssen abhängt. Von heute auf morgen die ganze Firma umzukrempeln würde die meisten Mitarbeiter überfordern. Derartige Verbesserungsversuche führen unter Umständen zu Verschlechterungen.

Für kontinuierliche Verbesserungen sind immer neue Erkenntnisse notwendig. Zu einem bestimmten Zeitpunkt liegt der Organisation ein bestimmtes Wissen zugrunde. Wenn sich dieses Wissen nicht verändert, die Organisation nichts lernt oder keine weiteren äußeren Reize erhält, kann die Verbesserung nur einen bestimmten Zustand erreichen.

Wenn also in einer Organisation alles optimal läuft, entsteht erst wieder ein Raum für weitere Verbesserungen, wenn die Organisation an neues Wissen kommt oder Veränderungen des Marktes spürt.

Wird eine Verbesserung von einem Unternehmen eingeführt oder ausprobiert, ergeben sich sehr schnell neue Erfahrungen für das Unternehmen. Die Organisation hat etwas gelernt. Es entsteht wieder Raum gibt für weitere Verbesserungen.

Fazit

Verbesserungen nehmen kein Ende. Damit steht einer kontinuierlichen Verbesserung in Unternehmen nichts im Wege. Da wir komplexen Bedingungen ausgesetzt sind, ist es niemals möglich, alles auf einmal zu überblicken. Gerade im Hinblick darauf, dass wir zu einer „Wachstumsgesellschaft“ gehören und diese irgendwann auf ihr zwingendes Ende zuläuft, bekommt KVP einen besonderen Stellenwert.

KVP ermöglicht uns umzudenken und unser Handeln zu verändern. Auf eine nicht-disruptive Weise, bei der es leichter ist Menschen mitzunehmen und für neue Lösungen zu begeistern.

Der Mensch ist nicht in der Lage, vollendete Lösungen zu finden. Es wird also immer einen Raum für Verbesserungen geben, solange Menschen beteiligt sind.
Darum wird – auch wenn wir keine Wachstumsgesellschaft mehr sind – KVP weiterhin relevant sein.

Die Welt liebt kontinuierliche Verbesserung

Welchen Gegenvorschlag würde Karl wohl machen?

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